FELDNOTIZEN
Hinweis:
Die hier veröffentlichten Inhalte basieren auf Erfahrungen aus technischen Einsätzen und Werkstattalltag.
Alle Situationen sind abstrahiert, zeitlich distanziert und ohne Bezug zu konkreten Personen, Kunden oder laufenden Projekten dargestellt.
Die Inhalte dienen der Einordnung und Reflexion – nicht der Dokumentation einzelner Einsätze.
Feldnotizen #1 – Transit
"Manchmal weiß man schon beim Einsteigen, dass der Tag nicht besser wird.
Man weiß nur noch nicht, auf welche Art."
Frei nach dem Motto „Sie wünschen, wir spielen“ führte mich der Jahreswechsel kurzfristig in ein bekannt sensibles Einsatzumfeld.
Der Einstieg verlief erwartbar: standardisierte Fragen, erhöhte Aufmerksamkeit, eine gewisse Begleitung bis zur Passkontrolle. Danach das übliche Spiel aus Wartezeiten, Verspätungen und dem beruhigenden Gefühl, dass Zeit hier ein sehr dehnbarer Begriff ist.
Ab diesem Punkt entschied ich mich – aus Überzeugung oder Naivität – für den öffentlichen Weg weiter ins Einsatzumfeld. Ein unfreiwilliger Zwischenstopp in religiöser Symbolik folgte zwangsläufig. Erinnerungskultur, Andenken aus Olivenholz und spirituelle Aufladung trafen auf touristische Restverwertung. Made irgendwo anders, verkauft als Sinnstiftung.
Spirituell leicht überladen, realpolitisch gewohnt ernüchtert, ging es weiter Richtung Übergang. Die Einreise verlief überraschend unspektakulär. Die Rückkehr sollte später für das notwendige dramaturgische Gegengewicht sorgen. Aber das ist eine andere Geschichte.
Was bleibt, sind ein paar altbekannte Wahrheiten, die sich zuverlässig bestätigen:
- Junges Leben endet regelmäßig als Kollateralschaden fremder Dummheit.
- Der Gott des Bargelds funktioniert religionsübergreifend erstaunlich zuverlässig. Glaube hingegen nur sehr selektiv.
- Wenn dir jemand mit gültigen Papieren sagt: „Du kommst hier nicht wieder rein“, dann meint er das auch so.
Konsequenterweise blieb am Ende nur zurückhaltendes Daydrinking, um den Tag auf ein halbwegs gesellschaftsfähiges Niveau zu bringen.



